Person riecht genussvoll an einem Apfel

9. Fastentag: 2. Aufbautag – Warum die Aufbautage zum Fasten dazugehören

Warum ich den Aufbautag trotzdem Fastentag nenne

Hä? Wieso nenne ich es trotzdem Fastentag, obwohl ich doch ab jetzt wieder feste Nahrung zu mir nehme?

Ganz einfach:

Aufbautage gehören zum Fasten dazu!

Sie sind genauso wichtig wie die Fastentage selbst. Die allererste Aufgabe besteht darin, den Darm überhaupt wieder in Schwung zu bringen. Während des Fastens hat er die Produktion von Verdauungssäften und seine Bewegungen für den Weitertransport weitgehend eingestellt. Jetzt dürfen genau diese Funktionen langsam wieder erwachen – nicht sprunghaft, sondern ruhig und geduldig.

Als Faustregel gilt: Die Aufbautage sollten etwa ein Drittel der Fastendauer ausmachen.

Mit dem Apfel und dem Rohkostteller gestern habe ich bereits eine wichtige Grundlage geschaffen: achtsames Essen, viele Ballaststoffe, wenig verarbeitete Lebensmittel und viel Gemüse.

Meine Morgenroutine bleibt

Auch heute Morgen beginnt der Tag achtsam.

Ich starte mit meiner Morgenroutine – einer Mischung aus Qigong und einigen gymnastischen Übungen. Über die Jahre habe ich mir daraus meinen ganz eigenen Flow zusammengestellt, der mir den Einstieg in den Tag erleichtert.

Ich muss zugeben, dass ich mir einige Qigong-Übungen ursprünglich wegen ihrer wunderschönen Namen angeeignet habe. Mit schreitenden Tigern, Schildkröten, die ihren Hals aus dem Panzer recken, und aufsteigenden Kranichen erzähle ich mir eine Geschichte über Mut, Sicherheit, Abenteuerlust und Leichtigkeit. Diese Geschichte begleitet mich durch den ganzen Tag.

Frühstück für Körper und Darm

Danach gibt es ein Glas Wasser mit einem Teelöffel Honig und zwei Esslöffeln Apfelessig.

Ich trinke das Ganze durch einen gläsernen Trinkhalm, weil ich einmal gehört habe, dass Essig den Zähnen schaden soll. Ehrlich gesagt bin ich bei dieser Aussage etwas skeptisch. Wenn ich Salat esse, kommt der Essig schließlich auch direkt mit meinen Zähnen in Berührung. Aber da es mir überhaupt nichts ausmacht, den Trinkhalm zu benutzen, bleibe ich einfach dabei.

Zum Frühstück gibt es anschließend meinen Frischkornbrei mit Banane, geriebenem Apfel, Sahne und Walnüssen. Den Dinkel mahle ich mit einer alten Kaffeemühle, die mir meine Oma vererbt hat und lasse den Schrot über Nacht in Wasser quellen.

Achtsamkeit endet nicht mit dem Fasten

Ich esse langsam und irgendwie feierlich.

Kurz nach dem Fasten fällt mir das leicht. Im Alltag verschwindet diese Achtsamkeit manchmal wieder. Dann muss ich sie mir Schritt für Schritt zurückholen. Nicht alles auf einmal. Mal bei einer Mahlzeit. Mal beim Wäscheaufhängen. Es tut mir so gut, ganz im Hier und Jetzt zu sein. Trotzdem verliere ich diesen Zustand immer wieder aus den Augen. Aber heute nicht.

Heute lasse ich mich auf jede Tätigkeit ganz bewusst ein: Essen. Abwaschen. Einkaufen. Mich darauf besinnen, warum ich überhaupt gefastet habe.

Ich gönne mir ganz bewusst Zeit.

Meine Mahlzeiten am zweiten Aufbautag

Heute stehen auf meinem Speiseplan:

  • Frischkornbrei mit Banane, Apfel und Walnüssen
  • gekochte Möhren und Kartoffeln mit körnigem Frischkäse und Petersilie
  • ein Apfel
  • ein großer Frischkostteller am Abend
  • viel Wasser und Tee

Was den Aufbau nach dem Fasten unterstützt

Für mich sind in den Aufbautagen besonders wichtig:

  • Ruhe und Achtsamkeit
  • Wasser und Tee weiterhin bewusst als Trinkmahlzeiten einzuplanen – also nicht nebenbei zu trinken, sondern sich dafür Zeit zu nehmen und sich hinzusetzen.
  • viele Ballaststoffe aus Gemüse, Obst und frisch geschrotetem Getreide
  • hochwertige Öle und Fette
  • Leinsamen oder Chiasamen, die den Darm zusätzlich anregen können
  • Bitterstoffe
  • möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel
  • weiterhin auf Fleisch zu verzichten

Am schwersten fällt mir auch hier wieder, die Finger noch vom Kaffee zu lassen. Meistens schaffe ich es aber, damit noch zwei oder drei Tage zu warten.

Was ich aus jeder Fastenzeit mitnehme

Das Wertvollste am Fasten ist für mich nicht der Verzicht selbst. Es ist die Erfahrung, dass ich nicht jedem Impuls sofort nachgeben muss.

Durch das Weglassen der festen Nahrung habe ich die Sicherheit gewonnen, dass ich etwas nicht sofort brauche, nur weil etwas in mir danach verlangt.

Außerdem habe ich durch den Verzicht neu gelernt, wie wertvoll Lebensmittel eigentlich sind und was wir wirklich davon brauchen.

Und beim Fastenbrechen durfte ich wieder erleben, was echter Genuss bedeutet.

Ich wünsche mir, dass ich diese drei Dinge möglichst lange mit in meinen Alltag nehme:

Sicherheit. Wertschätzung. Genuss.